
„Vorwarnung:
Es piepst im Brutapparat, das erste Ei ist schon angepickt, die Glucke im Stall blinzelt nicht mal mehr, so fest sitzt sie! Das heißt: heute Nacht geht´s los mit dem Schlupf und wir sollten morgen irgendwann unsere Projekte unterbrechen und die Kinder zuschauen lassen. Vielleicht gleich zur 3. Stunde? Wir werden sicher eine Zeitstunde weg sein.“
An welchem Gymnasium können Kollegen in der 5. Klasse eine solche Mail bekommen? Wo können Fünftklässler in der Schule beobachten, wie ein kleiner Schnabel von innen ein Loch in die Eierschale pickt, die Schale einen Riss bekommt und sich ein Küken in die Welt herausschält?
Auf dem Hohenfels ist dieses große Erlebnis alljährlich den Fünftklässlern vergönnt: im Rahmen ihres Landwirtschaftsprojekts, das Teil des Schulcurriculums ist. Es hat zum Ziel, die Kinder mit den vielfältigen Arbeiten eines Landwirts vertraut zu machen, mit alter bäuerlicher Handwerkskunst genauso wie mit den modernen industriellen Arbeitsweisen eines spezialisierten Großbetriebes. Im eigenen Tun sollen die Kinder erfahren, wie Lebensmittel und andere Produkte der Landwirtschaft aus tiefer Kenntnis um die Vorgänge in der Natur und aus der harten Arbeit verantwortungsvoller Menschen hervorgehen. Sie sollen erkennen, wie notwendig respektvoller Umgang mit der Natur und wie wichtig bewusster Konsum für uns alle ist.
Dies gelingt dadurch, dass das Klassenzimmer für eine Woche verlassen wird und die Entstehung der Produkte vom Rohstoff bis zur Fertigstellung nachvollzogen werden kann - in der Theorie, durch Anschauung und vor allem durch das Selbermachen.
Der Hohenfels bietet mit seiner wunderbaren Lage inmitten einer bäuerlichen Kulturlandschaft und mit seinen Gebäuden, den Stallungen, Scheunen, den Schulwerkstätten und der Schulküche ein ideales Ambiente. Das Leben im Internat eröffnet den Pädagogen vielfältigste Möglichkeiten für ihre pädagogische Arbeit.
Die diesjährige Klasse 5 macht sich in Gruppen an folgende Themen:
Vor allem die Sinne der Kinder werden angesprochen:
Weitere Fragen ergeben sich dabei wie von selbst:
Wie kommen die Löcher ins Brot?
Wie wird denn aus dem Ei ein Küken?
Was ist in der Schafzucht alles zu beachten?
Was braucht eine Pflanze zum Wachsen?
Schriftliches Material zur Beantwortung der Fragen ist vorbereitet, auf pfiffigen Plakaten halten die Gruppen ihre Ergebnisse fest.
Anschauungsunterricht außerhalb der Schule und Antworten von den Fachleuten bieten die Besuche eines Bauernhofmuseum und zweier moderner Großbetriebe.
Auch der Spaß kommt nicht zu kurz: In einem bäuerlichen Fünfkampf ermitteln die Schülerinnen und Schüler die Sieger im Mähen, Melken, Hammern, Gummistiefel-Werfen und Schubkarrenrennen. Mailieder und Tänze werden eingeübt.
Ein farbenfrohes Fest, auf dem die Ergebnisse den Eltern, den Mitschülern und den Lehrern und Erziehern stolz präsentiert werden, rundet eine wahrhaft erlebnisreiche Woche ab.