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Das Salemer Betriebspraktikum

Ein Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Lehrers

 

Viele Flügel in Salem halb leer trotz offizieller Schulzeit? Mentoren in besonders guter Laune? Was ist los? - Ganz einfach: Wir haben Februar und in Salem läuft das umfangreichste und längste Projekt, das ein Schüler in der Mittelstufe mitmacht und gestaltet: das Betriebspraktikum. Drei Wochen lang zerstreut sich die 10. Klassenstufe inkl. der Pre-IB-Klassen in alle Winde, und unsere Schüler arbeiten in Betrieben, um die Arbeitswelt kennen zu lernen. In realen Situationen mit allen Freuden, Leiden und Veränderungen, die diese neue Welt für einen Schüler mit sich bringt.

 

Seit 15 Jahren schon existiert dieses Praktikum und war anfangs eine richtige 'Salemer Spezialität’. Jetzt hat fast jede Schulform im 'Ländle’ ihr Betriebspraktikum, aber selten dauert diese Phase drei Wochen. Wir wollen es aber nicht kürzer, weil sonst die Gefahr besteht, dass unsere Schüler nur zum Zuschauen verdammt bleiben. Sie sollen sich aber nach einer Einarbeitungszeit richtig nützlich machen und damit für den Betrieb eventuell doch einen interessanten 'Kurz-Arbeiter’ darstellen.

 

Unsere Vorstellung wird oft bestätigt: Bei meinen Besuchen sehe ich unsere Schüler, wie sie handfest in einem Team mitarbeiten, selbstständig Aufträge ausführen, ja manchmal auch für einen kranken Kollegen einspringen können.

 

Die 85 Schüler finden meistens sehr interessante Praktikumsplätze, die sie in einer umfangreichen Facharbeit beschreiben und analysieren: Kindergärten, Autohersteller, Tierkliniken, Architekturbüros, Forschungslabore, Rechenzentren an der Uni, das britische Unterhaus, eine Brauerei, Hotels, Medien-Unternehmen, IHK , eine Segelschule auf Mallorca, der Zoologische Garten in Berlin, die Johanniter Unfallhilfe, Märklin, eine Import-Export-Firma in Südafrika ... Ohne gezählt zu haben, kann ich von einer Zufriedenheitsquote von 90 % ausgehen. In Internat und Schule fällt uns auf, dass viele verändert zurückkommen: erwachsener, gereifter, verständiger. Manche auch sehr froh, dass der Stress vorüber ist und der Salemer Alltag wieder einkehrt. Toll war’s trotzdem. So schreibt Nicholas Rausch in seinem Bericht: „Vor dem Praktikum dachte ich, dass der Internatsalltag anstrengend sei, aber ich merkte schnell, dass die Arbeitswelt noch anstrengender ist.“

 

Peter Heider,

Betreuer des Betriebspraktikums

... und aus der Sicht einer Schülerin

 

Nach langen Überlegungen, in was für einen Betrieb ich bei meinem Praktikum gehen sollte, entschied ich mich für die Fachklinik für Kleintiere in Ravensburg. Obwohl ich mich sehr darauf freute, kamen doch auch einige Zweifel in mir hoch:

 

Stellte ich es mir vielleicht doch aufregender vor als es eigentlich ist? Werde ich etwas aus meiner Arbeit dort lernen? Werde ich überhaupt selber etwas tun können?

 

Schon in meinen ersten Praktikumstagen wurden mir alle Zweifel genommen: Nachdem ich mich etwas eingelebt hatte und alle Tierärzte und -helferinnen kennen gelernt hatte, zeigte man mir recht schnell, wo ich anpacken kann und wie ich einzelne Arbeiten richtig ausführe. Ich durfte bei Operationen zusehen, was für mich der interessanteste Teil meines Praktikums war, im Labor dabei sein und eigentlich alle Arbeiten miterleben, die zu einer Tierklinik gehören.

 

Mit der Zeit wurden auch meine Aufgaben anspruchsvoller, ich half bei Operationen, in Sprechstunden, verband oder spritzte die Patienten, ich wurde immer mehr ein Teil der Mitarbeiter und kein Praktikant mehr.

 

Leider ging die Zeit in der Klinik sehr schnell vorbei, so dass ich bald schon wieder Abschied von meinen neuen „Kollegen“ nehmen musste, was mir zum Teil auch wirklich schwer fiel.

Aber ich habe sehr viel aus meinem Praktikum gelernt. Nicht nur, wie ich Tiere richtig verarzte oder wie Operationen genau ablaufen, ich habe auch viel gelernt, was mir in meinem späteren Leben sehr viel nützen wird, auch wenn ich mich nicht für den Beruf als Tierarzt entscheide:

 

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Selbstvertrauen in seine Arbeit zu stecken und selber zu überlegen, was zu tun ist, ohne gleich an sich zu zweifeln. Wenn ich z. B. nicht wusste, was ein Leguan frisst oder wenn ich mal wieder sämtliche Spritzvorräte der Klinik verlegte. Aber egal wie verzwickt meine Lage manchmal war, irgendwie habe ich es immer geschafft, heil aus der Sache herauszukommen.

 

Ich werde meine Zeit in der Klinik mit Sicherheit sehr vermissen, denn es hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber ich denke, ich kann mich auch glücklich schätzen, erst noch ein paar Jahre in die Schule zu gehen, denn so viel Spaß mir meine Arbeit dort auch gemacht hat, so war sie doch auch oft mit sehr viel Stress und wenig Freizeit verbunden.

 

Elisabeth Pohle (Klasse 10c) über ihr Praktikum in der Heim- und Kleintierklinik Ravensburg