Home
English

 

 

 

 

 

Bericht eines Schülers vom Round Square International Service Project in Ladakh/Indien im Himalaja

 

Sind Sie jemals in 3.500 Meter Höhe, mitten in den Bergen des Himalajas, bergauf gelandet? Dieser Blick offenbarte sich uns Anfang Juli, als wir von Delhi früh morgens um 5:40 Uhr das Flugzeug bestiegen und nach knapp einer Stunde unsere Flughöhe mitten über den 7.000 Meter hohen Bergen des Himalajas verließen. In Leh, der Hauptstadt der Provinz Ladakh, wurden wir mit den typischen Kataks – einfache, weiße Schals – herzlich empfangen in einer Region, die mit ihrer wüstenhaft anmutenden Berglandschaft prägend in Erinnerung bleibt. Doch etwas anderes ist noch weitaus prägender: Die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen, die einen empfangen.


Nach drei Tagen Akklimatisierung und der Besichtigung mehrerer über 1.000 Jahre alter Klöster, führte uns unser Weg nach Thiksay, unserer Wohn- und Arbeitsstätte für die kommenden zweieinhalb Wochen. Am Fuße eines Klosters lag unser Camp mit Zelten und Wasserkochern bereit. Unsere Aufgabe bestand darin, einen Schlafsaal für Kinder aus den abgeschiedenen Teilen Ladakhs zu bauen, um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen. Die erste Woche hieß es zunächst einmal, in einer Arbeitsschlange die Steine zum Bauen zur Baustelle zu transportieren und mit einheimischen Techniken Schlamm für die Konstruktion zu mixen. Während die einen den Zuwachs ihrer Muskeln beobachten konnten, setze bei den anderen erst der Muskelkater ein. Innerhalb weniger Tage konnten über 10.000 Steine zum Fundament gebracht werden, und selbst die Einheimischen waren über unser Tempo erstaunt.


Die wenigen freien Tage zwischendurch ermöglichten uns unter anderem den Besuch zum weltberühmten „Hemis-Festival“ und zum 4.500 Meter hohen Pangong Lake, auf dessen Weg wir den Shangri Laa Pass mit einer Höhe von 5.400 Meter überquerten (dritthöchste Straße der Welt).


In der zweiten Woche war die Arbeit bereits soweit fortgeschritten, dass mit den Arbeiten am Dach begonnen wurde. Am letzten Arbeitstag wurde sogar das gesamte Dach fertig gestellt. Nicht nur unsere Gruppe, sondern auch die Einheimischen, die einen mindestens ebenso großen Anteil an der Fertigstellung hatten wie wir, waren stolz auf das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit der letzten beiden Wochen.


Das krönende „Ladakh-Erlebnis“ war dann der nachfolgende, fünf Tage lange Trek durch den Himalaja und die Überquerung von zwei 5.000 Meter hohen Pässen. Einmalige Naturschauspiele und Szenarien spielten sich während dieser fünf Tage ab und die physisch und psychisch sehr anstrengende Tour brachte unsere Gemeinschaft noch enger zusammen. Unsere Camps zum Übernachten befanden sich teilweise auf über 4.500 Höhenmetern. Die Natur dieser einzigartigen Landschaft bleibt für immer erhalten – es schien mir, dass unsere starke Gemeinschaft sich parallel zu den wachsenden Herausforderungen entwickelte.


Unser abschließender „Post-Work-Trip“ führte uns zurück nach Delhi und von dort aus nach Agra zum Taj Mahal und in die „Pink City“ Jaipur. Der Taj Mahal war sicherlich für alle von uns eine atemberaubende Erfahrung, die aber auch die extremen Kontraste in Indien verdeutlicht. In Jaipur, der Hauptstadt der Region Rajasthan, ritten wir per Elefanten hoch zum ehemaligen Königspalast, um den Blick über eine der schönsten Städte Indien zu genießen. Der Name „Pink City“ rührt aus dem 19. Jahrhundert, als zu Ehren Prinz Edwards alle Häuser des Stadtkerns pink angestrichen wurden. Der „Post-Work-Trip“ hat uns sicherlich einen noch tieferen Einblick Indiens ermöglicht.


Mit all diesen Erfahrungen traten wir unsere Rückreise nach Deutschland an. Der Abschied am Flughafen von Delhi fiel den meisten von uns sehr schwer. Das Résumé dieser Reise fällt für mich durchweg positiv aus, auch wenn es natürlich einige Durchhänger gab. Im Nachhinein schätze ich den Wert dieser Reise sehr viel höher ein, als ich es vermutlich vor Ort getan habe. Ich kann nur dankbar sein für diese tolle Erfahrung und hoffe, in absehbarer Zeit wieder in den Himalaja reisen zu können – zurück nach Ladakh, wo alles anfing...

 

Nick Deimel, 13. Klasse, Abiturjahrgang 2009