Erstmals tagte das Kapitel in diesem Saal nach 1706. Es stellt sich auf diesem Bild von Johann Georg Glückher (1653-1731) vor. Sie sehen ein dem Abt Stephan Jung (1698-1725) zu seinem Namenstag gewidmetes Bild mit dem gesamten Konvent in typischer Tracht.
Abt Stephan I. Jung wurde im gleichen Jahr, zwei Jahre nach seiner Wahl, zum Abt geweiht. Er reicht die von den Ordensgründern übergebene zentrale Regel der „Charta Caritis“ als „Charta Reformationis“ an den Prior weiter.
Ausgestaltung:
Nachdem 1697 die meisten Gebäude des Klosters mit Ausnahme des Münsters durch einen verheerenden Brand zerstört wurden, beschloss der Konvent unter Abt Emanuel Sulger und dem Prior und Nachfolger Stephan I. Jung, unmittelbar danach, innerhalb von 10 Jahren nach einem großzügigen Gesamtplan Salem als barocke Anlage brandsicher neu aufzubauen. An den Brand erinnert die in das Sandsteingewände des benachbarten Aufnahmebüros eingemeißelte Jahreszahl: 1697. Bereits 1706 konnten Teile des Konvents neu bezogen werden.
Dies war der Aufbruch zu neuer Blüte im 18. Jahrhundert. Im Zuge der Gegenreformation suchte man die Laien durch Macht und Pracht von der Herrlichkeit Gottes zu überzeugen. Äußerlich widersprach dies den Armutsgeboten des Ordens, doch innerhalb des Konvents herrschte nach wie vor strenge Zucht.
Einen Eindruck von Abt Stephan I. Jung gewinnen Sie auf dem Äbteporträt aus dem Jahr 1715 von Jakob Carl Stauder rechts neben der Sakristei im westlichen Kreuzgang. Er gestaltete alle Äbteporträts 1716 – 1723. Auf dem Ausschnitt sehen Sie links neben ihm sehen Sie seinen Vorgänger Abt Emanuel Sulger, darüber das brennende Salem.
Für den Bernhardusgang, den Kapitelsaal, das Sommerrefektorium (heutiger Betsaal), Sakristei und weitere Räume der Prälatur, konnte Abt Stephan I. ab 1699 bis 1706 die Meister der Wessobrunner Bau- und Stukkatorenschule gewinnen.(Kalnein, 1976, 12, dagegen Ast, 1977, 77: 1707-1710, was gilt?).
Franz Schmuzer, seine beiden Söhne und Josef Stauder zeichneten mit dezent farbiger pflanzlicher Oramentik aus Blüten und Früchten sowie wuchtigen Akanthus-Ranken, -gewinden und -kränzen die Deckenkonstruktion nach. Wie sich der schwere, strenge frühbarocke Stil in den leichten, flächigen Dekorationsstil des Hochbarock mit weicheren pflanzlichen und geometrischen Motiven auf zartfarbigem Hintergrund unter Anton Feuchtmayer (1721) wandelt, sehen Sie, wenn Sie den Bernhardusgang verlassen und in den westlichen Kreuzgang münden. Das von ihm etwas später gestaltete Treppenhaus des Priorats (1742) zeigt den Rocaillestuck des Spätbarock.