„Eltern, die ihr Kind schon in der Unterstufe in ein Internat schicken, haben in Deutschland noch immer das Image von „Rabeneltern“ – übrigens ein Begriff, den es so nur in der deutschen Sprache gibt. Zwar gilt es, die Entscheidung für ein Internat in diesem Alter sorgfältig abzuwägen, aber die Vorzüge des Aufwachsens in einer Gemeinschaft Gleichaltriger überwiegen eindeutig. So kann es bei Lernschwierigkeiten ein möglicher Weg sein: Denn die individuellere pädagogische Betreuung gibt dem Kind die Chance, seine Leistungen zu verbessern. Auch leistungsstarke Schüler werden durch besondere Angebote ihrem Anspruch gemäß gefordert und gefördert in einem Alter, wo der Wissensdrang nahezu unbegrenzt ist. Eltern erleben pädagogische Arbeit, die von großem Engagement und Enthusiasmus der Lehrer und Erzieher getragen wird. Charakterbildung hat in Salem einen hohen Stellenwert und mit bewundernswerter Beobachtungsgabe und Aufmerksamkeit wird in den diversen Bereichen des Internatslebens daran gemeißelt.
Besonders gut kann die Arbeit des Internates gelingen, wenn im ersten Lebensjahrzehnt der Kinder ein tragfähiges, vertrauensvolles Fundament im Elternhaus geschaffen wurde. Und auch für die Lebens- und Lernwelt des Internats ist enge Zusammenarbeit mit den Eltern Voraussetzung für die Entwicklung des Kindes. Problematisch hingegen verlaufen meist die Wege der Kinder, deren Eltern frei und ungestört ihre Karriere verfolgen wollen und aus diesem Grunde ihre Kinder frühzeitig ins Internat schicken, da diese sich in der Tat oft abgeschoben und heimatlos fühlen. Eltern bleiben auch bei Internatskindern das Zentrum des Lebens. Diese Verantwortung kann nicht an das Internat abgegeben werden, wenn Erziehung gelingen soll.
Aus eigenem Erleben können wir berichten, dass die Unterstufe der Schule Schloss Salem – Burg Hohenfels – ein kindgerechter Lehr- und Lernort ist, der erzieherisch eng mit den Eltern zusammenarbeitet. Eine vielfältige und anregende Welt eröffnet sich dort den Kindern in einer Gemeinschaft, die nicht uniform ist, sondern sich aus einer Vielzahl von individuellen Persönlichkeiten zusammensetzt, die aber ganz im Sinne Kurt Hahns ein Ganzes bilden. In der Mittelstufe Salem und der Oberstufe College werden die Angebote und Aktivitäten auf allen Gebieten vertieft und fortgeführt, d.h. die Internatsschüler werden in Distanz zur Welt auf die Welt vorbereitet.
Wir „Rabeneltern“ haben mit unseren Kindern die großen Chancen kennen gelernt, die die Salemer Res Publica in allen Facetten bietet, auch schon in sehr jungen Jahren. In Anbetracht der gegenwärtig in Deutschland geführten Diskussion über Familie und Kinderbetreuung in den ersten Lebensjahren, sollte die Mär der „Rabeneltern“ endlich der Vergangenheit angehören – zumal Raben sehr fürsorgliche Eltern sind!“
Patricia Conring, Elternbeiratsvorsitzende der Schule Schloss Salem
Doris Wernig, Stufensprecherin der Unterstufe Burg Hohenfels