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Glockenschläge, Morgenlauf und Flügelleben

Ein Schüler des Internates Schule Schloss Salem am Bodensee beschreibt einen Tag im Internat.

 

Es ist 6.30 Uhr. Im alten Klostergemäuer des Schlosses Salem am Bodensee schlagen die Turmglocken. Zeitgleich stehen 280 Schüler und 15 Mentoren auf und sammeln sich auf ihren Fluren. Was für einen Außenstehenden vielleicht etwas merkwürdig aussehen würde, hat in der Mittelstufe der Schule Schloss Salem Tradition und nennt sich Morgenlauf. Zusammen läuft man eine Runde um das Schlossgelände, um nach dem Duschen in den großen Esssaal zum Frühstück zu gehen.

Vom ehrwürdigen Esssaal aus geht es auf die mindestens genauso traditionsbehaftete Morgensprachenempore, auf der täglich eine 15-minütige Schulversammlung stattfindet. Hier werden wichtige Ansagen zum Tagesablauf gemacht und Projekte, wie zum Beispiel die Round Square Reise nach Ladakh, vorgestellt.

Pünktlich mit dem 8-Uhr Glockenschlag beginnt der Unterricht in den alten Klostermauern. Die Schüler werden von Jahrgangsstufenteams unterrichtet, die für eine verbesserte Abstimmung zwischen den Lehrern sorgen und viele bunte Thementage, sei es zum Thema Theater, Gesundheit oder Nationalsozialismus organisieren.

Nach der 6. Stunde strömen die Schüler aus allen Ecken des Schlosses zum Esssaal und begeben sich dort, nachdem sie von der Esssaalmannschaft auf das Tragen der korrekten Schulkleidung kontrolliert wurden, auf ihre Plätze. Beim Mittagessen sitzt jeder Salemer auf einem festen Platz, die Tische sind zwischen Erwachsenen und Schülern gemischt, so können sich z. B. die Schulsprecher und der Stufenleiter schon beim Essen über die aktuellsten schulpolitischen Themen austauschen.

Um 13.40 Uhr läutet die Kapitänin der Esssaalmannschaft mit einer Glocke, woraufhin sich Schüler und Erwachsene erheben und für eine kurze Stillezeit innehalten. Durch ein erneutes Klingeln wird das Mittagessen eröffnet und von jedem Tisch holt einer der Schüler das Essen.

Nach dem Essen beginnt der Internatsnachmittag und auf welchen Flügel, so heißen in Salem die flurweise zusammengefassten Wohneinheiten, man auch schaut, überall dröhnt Musik und die Jugendlichen machen sich fertig für ihre Nachmittagsaktivitäten. Von Hockey über Fußball und Basketball bis hin zu Ballet und Aerobic; Sport gibt es in allen möglichen Facetten. Dazu belegt jeder Schüler einen Dienst, der im Salemer Internatsalltag besonders wichtig ist. Jede Woche wird er oder sie z. B. zum Feuerwehrmann/-frau ausgebildet, lernt das Handwerkszeug eines Seenotretters auf dem Bodensee oder arbeitet im Sozialdienst mit behinderten Kindern zusammen.

Nach einem anstrengenden und vielfältigen Nachmittag kehrt um 17.30 Uhr wieder Ruhe im Schloss ein; es ist Arbeitsstunde, bis auf die besten Schüler, die von der Lernzeit befreit wurden, sitzt nun jeder an seinem Schreibtisch.

Danach folgt ein weiterer Wechsel zwischen Schule und Internat, der so charakteristisch für das Salemer Leben ist: Weitere Sportaktivitäten finden bis 21.30 Uhr statt, doch auch Politik-, Philosophie- und viele andere AGs halten ihre Treffen abends ab. Nicht nur das, abends ist auch die Zeit der Salemer SMV, der Schülermitverantwortung. Diverse Gremien, wie z. B. der Rat oder die Dienstekonferenz treffen sich und üben am Beispiel des aktiven Gestalten ihres eigenen Lebensumfelds ein, was demokratisch und verantwortungsvoll Handeln bedeutet.

Gegen halb Zehn blüht noch einmal das Flügelleben auf, da nun jeder zurück auf seinen Flur kehrt. Man lässt den Abend in Zusammensein mit seinem Mentor und seinen Freunden ausklingen und fällt mit dem letzten Glockenschlag des Tages erschöpft aber glücklich ins Bett.


Jonas Rosenbrück