26.03.10
Seit dem Bekanntwerden von Übergriffen auf schutzbefohlene Schüler hat sich die Schule Schloss Salem rückhaltlose Aufklärung – auch lang vergangener Fälle – verordnet. Wie bereits berichtet, wurden hierzu sowohl die Altschülerschaft wie auch Eltern und aktive Schüler angeschrieben. Fälle, die aufgrund dieses Aufrufs gemeldet wurden, werden genauestens untersucht. Die Schulleitung steht bei der Klärung der Situation in engem Kontakt mit der Staatsanwaltschaft und dem ehemaligen Schulleiter Dr. Bernhard Bueb. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Buebs Darstellung in Teilen zu korrigieren war: Das Strafverfahren gegen einen 24-jährigen Assistenten wurde nicht eingestellt, vielmehr wurde der Täter zu einer mehrmonatigen Bewährungsstrafe sowie einer Geldzahlung verurteilt. Des weiteren hat in der vergangenen Woche ein pädagogischer Mitarbeiter Salems um seine Entlassung gebeten und damit wegen distanzlosen Verhaltens gegenüber einem Jugendlichen selbst die Konsequenzen gezogen. Der Fall wird der Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorgelegt. Um Klarheit zu schaffen, hat die Schulleitung zwei weitere, jeweils mehr als 20 Jahre zurückliegende Fälle zur Anzeige gebracht.
Aufgrund der jüngsten Ereignisse hat die Schulleitung weitergehende Maßnahmen ergriffen, um Grenzüberschreitungen, und Übergriffe in Salem aufzuklären und ihnen in Zukunft effektiver vorzubeugen: Ab sofort wird eine Ombudstelle eingerichtet: Zwei Ärzte, eine Frau und ein Mann mit psychotherapeutischer Ausbildung und Erfahrung stehen denen, die unter den Handlungen von Salemer Lehrern und Erziehern zu leiden hatten, zum vertraulichen Gespräch zur Verfügung. Kontaktdaten werden am Montag, 29.3., in einem Brief an derzeitige und ehemalige Schüler, an Eltern und Kollegen bekanntgegeben.
Die Schulleitung legt damit die Beurteilung jedes einzelnen Falles und die Entscheidung über das weitere Vorgehen in externe Hände. Strafrechtlich relevante Fälle werden in Zusammenarbeit mit den Betroffenen den zuständigen Behörden gemeldet, vor allem aber kann das Ombudsteam Opfern kompetent helfen.
Auch das Kollegium der Schlossschule soll unterstützt werden. Angesichts der sich dringend stellenden Frage nach dem rechten Maß zwischen persönlicher Nähe und professioneller Distanz in der Internatserziehung sind jüngere, aber auch erfahrene Kollegen verunsichert: sie hinterfragen eigene pädagogische Entscheidungen und Handlungsweisen kritisch. Aus diesem Grund organisiert die Personalleiterin der Schule Schloss Salem eine Weiterbildung zum Themenkomplex „Grenzsituationen im Schul- und Internatsalltag“. Die Fortbildung soll den Kollegen Orientierung geben und kann wesentlich dazu beitragen, den Handlungsrahmen für pädagogisch korrektes Verhalten zu definieren und – wo nötig – neu zu justieren.
Öffentlichkeitsarbeit
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