22.03.10
Erklärung der Vereinigung der Deutschen Landerziehungsheime vom 18.03.2010
Die Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime e.V. (LEH) und die in ihr zusammengeschlossenen 21 LEH-Internate verurteilen die Fälle von sexuellem Missbrauch an Internaten scharf. Sie setzen sich für eine vorbehaltlose und konsequente Aufklärung aller Fälle ein. Täter und Täterinnen werden unverzüglich aus ihrem Dienstverhältnis entlassen, Übergriffe werden der staatlichen Verfolgung angezeigt.
Die LEH Vereinigung betreibt zudem einen Klärungsprozess bezüglich ihrer Verantwortung im Umgang mit beschuldigten Personen und bisher nicht geklärten Vorgängen in der jüngeren Vergangenheit.
Die erste Sorge gilt den Opfern, den geschädigten Kindern und Jugendlichen, die heute meist als Erwachsene erlittenes Unrecht zu bewältigen haben. Ihnen gilt unsere ganze Solidarität. Sie müssen das jeweilige Internat als eine Institution erleben, die sich zu den Vorkommnissen bekennt, Verletzungen anerkennt und zu deren rückhaltloser Aufklärung beiträgt. Betroffene dürfen nicht ein zweites Mal beschämt und zu Opfern gemacht werden.
Die einzelnen LEH-Internate haben spätestens seit Bekanntwerden einer Anzahl von Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule Ende der 90er Jahre ein Gefahrenbewusstsein entwickelt und eine Reihe von präventiven Maßnahmen eingeleitet. Schulleitungen und Schulgemeinschaften garantieren ein Klima der offenen, angstfreien Aufklärung. Eine wichtige Voraussetzung dafür sind vielfältige Beziehungsstrukturen: Kinder und Jugendliche haben immer mehr als nur eine einzige Bezugs- und Vertrauensperson. Ferner stehen Beratungslehrer, Psychologen, Gremien und externe Ansprechpartner zur Verfügung, zu denen auch anonym Kontakt aufgenommen werden kann. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten spezifische Schulungen und Weiterbildungen, hinzu treten Formen der Supervision.
LEH-Internate müssen behütende und fürsorgliche Orte sein, die Heranwachsenden ein großes Maß an Entwicklungschancen bieten. Die an den Internaten tätigen Pädagoginnen und Pädagogen beweisen im Umgang mit den ihnen Anvertrauten ein hohes Verantwortungsbewusstsein mit dem Ziel einer gelingenden Balance zwischen Nähe und Distanz. Missbrauchsfälle, so schmerzlich und verwerflich sie im Einzelnen sind, dürfen nicht dazu führen, die pädagogische Institution Internat als Ganzes in Zweifel zu ziehen. LEH-Internate sind erziehend-bildende Lebensgemeinschaften, ihre besondere Qualität erwächst aus einer guten Beziehungskultur.
Mit Sorge beobachten die LEH-Internate daher Tendenzen, den Wert reformpädagogischer Praxis pauschal in Frage zu stellen. Dass Bildung und Erziehung ohne persönliche Nähe von Lehrenden und Lernenden gelingt, ist eine absurde Vorstellung.
Öffentlichkeitsarbeit
Michael Meister
Tel. +49 7553 919-373
Fax +49 7553 919-380
michael.meister[at]salem-net[dot]de
