18.11.09
Es ist Halloween und Philipp schnitzt voller Freude einen Kürbis aus. Dieses Jahr möchte er es sogar noch besser machen als vergangenes Jahr. Doch dann steigt dichter Rauch auf und ein Junge erscheint: Der Kürbis wird entführt.
Gebannt lauschten Eltern und Gäste bei der abschließenden Lesung der Hohenfels-Akademie Ida, die ihre Geschichte vom Kürbis vortrug. Zwei Samstage lang hatten acht Mädchen und ein Junge zusammen mit der Kinderbuchautorin Christa Ludwig sich intensiv mit Schreiben beschäftigt. Im Vorfeld hatten sie eigene Texte bei Christa Ludwig eingereicht; wie wichtig dies war, unterstrich die bekannte Jugendbuchautorin: "Schreiben ist etwas sehr persönliches. Ich wollte jedem Kind die Chance geben, eigene Gedanken zu entwickeln."
Die Hohenfels-Akademie ist eine Kooperation der Kinder-und Jugendakademie Konstanz (KJA) und der Schule Schloss Salem mit dem Ziel, besondere Kurse für hochbegabte Kinder anzubieten, um sie über die Schule hinaus vielfältig zu fördern.
Die Schreibwerkstatt, die den zweiten Kurs der Hohenfels-Akademie darstellte, füllte zwei Samstage: Der erste Teil beschäftigte sich mit der Schreibtheorie, die dann in Bezug zu den eigenen Texten gestellt wurde; der zweite Teil war eine Schreibzeit. Während der Schreibzeit führte Christa Ludwig Einzelgespräche mit den Kindern, um an ihren Texten zu arbeiten.
Während der abschließenden Präsentation trugen die Jungautorinnen sowie der einzige Jungautor Teile ihrer Texte vor und beschrieben, wie sich ihre Texte durch die Arbeit mit einem "Profi" verändert hatten. Ida zum Beispiel berichtete, dass sie den Mittelteil ihrer Textes vergessen hätte und ihre Geschichte während der Schreibzeit "sichtbarer gemacht" habe. "Sichtbar machen" ist einer der entscheidendsten Punkte, wenn Kinder schreiben, so Christa Ludwig: "In den Köpfen der Kinder läuft häufig ein wunderbarer und fantasievoller Film ab, den sie dann aber bewusst niederschreiben müssen, um sich ihren Lesern vermitteln zu können."
Die Resultate der Schreibakademie waren beeindruckend. "Eine erstaunliche Varianz zeigte sich in den Geschichten.", so Michael Meister, Lehrer an der Schule Schloss Salem, nach der Lesung, "Einige Kinder schreiben äußerst filigran und genau beobachtend, andere entwickeln machtvolle Handlungen." Einige Geschichten waren eher dem Fantasy-Lager zuzuordnen, andere beschäftigten sich mit dem alltägliche Leben: von Prinzessinnen, über Elfen, Krähen bis hin zu einem mafioso-ähnlichen Vater ließen die Kinder die buntesten Figuren in den Köpfen ihrer Zuhörer aufsteigen.
Auch die Vortragsweise der Jungen und Mädchen war beeindruckend: sicher und souverän erzählten sie ihre Geschichten von Freundschaft und Einsamkeit, Versagen und Freude, Gefahr und Solidarität. An diesem Erfolg hatte insbesondere Christa Ludwigs Einstellung gegenüber den Kindern großen Anteil, so Susanne Halbauer, Leiterin des Hohenfels: "Durch ihre intensive und individuelle Beschäftigung mit jedem Kind hat sie viel erreichen können."
Man kann so wie Caroline Fischer von der KJA nur hoffen, dass die Kinder so weiter machen: "Es ist unglaublich wichtig für das Selbstbewusstsein der Kinder, sich hier mit ihren Geschichten ihren Zuhörern zu stellen. Ich denke, diese Akademie war ein großer Erfolg." Vielleicht werden wir bald ein ganzes Buch über einen entführten Kürbis in den Händen halten.
Jonas Rosenbrück
Ein Bericht des Südkuriers vom 18.11.2009
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