11.11.09
Heimelige Atmosphäre herrscht im Wohnzimmer der Schloss-Schule Salem auf der Burg Hohenfels. Schriftsteller Arnold Stadler, gebürtig aus dem benachbarten Rast, zieht die 60 Zuhörer in seinen Bann. Der Leseabend fand auf Initiative des Bürgervereins Hohenfels hat Zukunft statt. „Seit 20 Jahren hagelt es Preise für Arnold Stadler. Darunter der Hermann-Hesse- und der Georg-Büchner- Preis“, stellt Fritz Bezikofer, stellvertretender Bürgermeister von Hohenfels, den Autor vor und bedankt sich dabei gleichzeitig für die Gastfreundschaft der Schule, eine solche Veranstaltung möglich zu machen. Schüler umrahmen den Abend mit musikalischen Beiträgen auf dem Flügel und ernten dafür viel Beifall.
Der 55-jährige Autor hat eine besondere Ausstrahlung, die man nur schwer in Worte fassen kann: Seine Worte wirken trocken und doch witzig, gewürzt mit schwarzem Humor und einer Prise Sarkasmus, manchmal auch melancholisch – immer aber aus dem Leben gegriffen. Dabei betont Stadler mehrmals: „Das ist nicht autobiographisch! Nicht, damit Sie falsche Schlüsse ziehen.“ So richtig abnehmen tut ihm das aber wohl keiner. Zu sehr kann man sich mit seinen Ausführungen identifizieren, hat die Bilder vor sich, wenn er von den sonntäglichen Besuchen beim Moscht-Onkel in Schwackenreute erzählt: Sprachlose Kinder sitzen neben streitenden Erwachsenen vor dem gestickten Wandschmuck, nebenher plärrt das Wunschkonzert von Radio Vorarlberg und die Tante sagt: „Iss und trink, so lang Dir's schmeckt, schon zwei Mal ist das Geld verreckt.“ Oder vom Kirchenchorausflug in den Bregenzer Wald. Dabei erleben die „Hinterwäldler“ das Anstellen bei einem Sessellift als reinstes Abenteuer: Stadler: „Nur wer richtig gegen den Bus schifft, stellt sich auch richtig an der Gondel an.“
Zwischendrin stoppt Stadler seine Lesung, schaut auf, schaut wieder in sein Buch- Stille. „Fehlt eine Seite?“, fragt jemand. „Nein, das ist eine kleine Pause“ schmunzelt der Autor und fährt fort. Nie ist man vor Überraschungen vor ihm sicher: Zum Ende seiner Lesung gibt er ganz beiläufig bekannt: „Das war meine letzte Lesung hier in dieser Region“. Ob es die lästigen Nachfragen sind, wenn die Zuhörer in seinen Lesungen Heimisches wiedererkennen? „Nein“, sagt Arnold Stadler. „Ich habe nur keine Lust mehr“.
Ute Braun
Ein Bericht des Südkuriers vom 11.11.2009
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