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10.03.10

Premiere von "Napoli millionaria" am Salem International College

Das Theaterteam der Schule Schloss Salem hat unter der Leitung von Keith LeFever einmal mehr echte Klasse bewiesen und die bei der Premiere anwesenden Zuschauer mit wahrer Kulturkost versorgt.


Das während des zweiten Weltkriegs spielende Stück „Napoli milionaria“ handelt von dem Versuch der Existenzsicherung in Zeiten der Krise, spiegelt jedoch auch sehr anschaulich die aufkommenden Konflikte und Nöte wieder. Der Krieg spielt zwar eine bedeutende Rolle in Eduardo de Filippos Schauspiel, letztendlich ist es aber vor allem der menschliche Umgang der Protagonisten untereinander, der dem Stück an Bedeutung verleiht. Die Schüler werden den Anforderungen der letztendlich sehr tiefgründigen, aber dennoch unterhaltsamen Inszenierung gerecht, indem Sie durch die individuellen Persönlichkeiten ihrer gespielten Charaktere hervorstechen und es verstehen, den Leser mitzureißen in das Neapel zu Zeiten des letzten Weltkrieges. Es zeigt sich hier, dass die Not aus oft ehrbaren Bürgern, Diebe macht und die Korruption und den Gang in die Unterwelt rechtfertigt. Die Folgen der Erdbeben in Haiti und Chile haben bewiesen, dass solche Verhältnisse auch heute noch existieren können und weiterhin real bleiben. Gleichzeitig ist „Napoli millionaria“ auch ein Spiegelbild der Probleme und Nöte zwischenmenschlicher Beziehungen und versteht es zu verdeutlichen, dass ein Krieg auch gravierende Auswirkungen auf das Sozialgefüge der Gesellschaft hat.


So wird der Bürger Gennaro Jovine in den Krieg gerufen, sodass die Frau des Hauses, seine Gattin Amalia, die Chance ergreift, die vollkommene Kontrolle über den Haushalt übernimmt und es bisweilen fast so scheint, als würde sie die Trennung von ihrem Gatte auskosten. Sie nutzt die Gelegenheit, um einem anderen Mann namens Errico näherzukommen.


Letztendlich ist das Stück geprägt von der Frage der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Eduardo de Filippo schildert sehr deutlich, dass Schwarzhandel, Korruption und Diebstahl zu erheblichem Reichtum führen können, jedoch oft Glück und Zufriedenheit vermissen lassen. Besonders ersichtlich wird dies durch das Erkranken der Tochter der beiden Protagonisten, die scheinbar verloren scheint, zum einen aufgrund der fehlenden Aufmerksamkeit der Mutter, zum anderen wegen der vergeblichen Suche nach einem Medikament.


Das Happy-End kommt schließlich in Form eines Schuldners der geschäftstüchtigen Amalia, der sein Haus und sein ganzes Vermögen an die Frau von Genaro Jovines verloren hatte, um seine Frau und seine Kinder zu ernähren. Er bringt das heilbringende Medikament und schafft es, die Tochter ebenjener Familie am Leben zu halten, die ihn seiner Existenz beraubte. Dies gibt der bisher so skrupel- und gefühllos erscheinenden Ehefrau menschliche Züge, indem erstmals Spuren eines schlechten Gewissens zum Ausdruck kommen, zu dem ebenso ihr inzwischen aus dem Krieg zurückgekehrter Mann beiträgt.


Diesem als einzig ehrbarer Komponente in einem sonst sehr „schmutzigen“ Umfeld gelingt es letztendlich seinen diebischen Sohn umzustimmen, und die Weichen zu stellen für einen Neuanfang. Wie dieser sich entwickeln wird, bleibt jedoch dem Vorstellungsvermögen des Zuschauers überlassen.


Wenn man tatsächlich soweit gehen und ein Fazit aus diesem in seiner Einfachheit sehr bestechenden Schauspiel ziehen will, so lässt sich sagen, dass Geld zwar nicht stinkt, jedoch auch nicht zwangsläufig glücklich macht. Das Beibehalten innerer Werte ist ebenso wichtig wie eine gesunde Aufrichtigkeit und eine gesellschaftliche Verantwortung. Die Finanzkrise dürfte hierfür wohl Beispiel genug sein.


Frederik Fink


Weiterer Vorführungen: 12., 13. und 14. März jeweils um 20.00 Uhr in der Aula des Salem College Härlen Überlingen. Eintritt Frei.

 
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