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28.06.10

Internat Salem setzt „Signal des Neubeginns“

Nach den Querelen um die designierte Schulleiterin Monika Zeyer-Müller und den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen (die SZ berichtete) soll nun wieder Ruhe in Salem einkehren: „Wir möchten uns jetzt wieder auf die pädagogischen Fragen konzentrieren“, sagt Robert Leicht, der seit vergangenem Samstag offiziell Vorstandsvorsitzender des Internatsvereins ist. Mit dem offiziellen Pressetermin wolle man ein „Signal des Neubeginns in Salem setzen.“


Von 1954 bis 1963 war Leicht selbst Schüler in Salem, hier hat der frühere Leitartikler der Süddeutschen Zeitung und Chefredakteur der ZEIT auch Abitur gemacht. Seine Arbeit will er allerdings nicht auf Grundlage seiner Erfahrungen von damals machen. Anfang Juli wird er für eine Woche in der Schule Schloss Salem verbringen, um Einblick in den Alltag der Schüler zu nehmen. „Ich möchte nicht mit einer Altherren-Mentalität an die Dinge herangehen“, sagt er. Im Gegenteil. Dass er sich in der Vergangenheit auch kritisch über seine frühere Schule geäußert hat, ist für ihn kein Widerspruch: „Ich fand als Schüler nicht alles toll, aber das muss man ja auch nicht.“


Akzente setzen will die Schule nun beim Anwerben von Schülern. Weil auch in Salem wie auch an anderen Schulen bundesweit die Schülerzahlen zurückgehen, will man gezielt auf das europäische Ausland setzen. „Ich denke da gerade auch an Mittel- und Osteuropa, wo sich derzeit neue Eliten bilden.“ Man werde den Kurs genau festlegen, um auch eine gute Integration ausländischer Eleven zu gewährleisten. „Man muss auch sehen, dass man die Gemeinschaft der Salemer nicht überstrapaziert – allerdings fühlen sich die meisten hier schnell als Teil der Schule“, sagt Eva Marie Haberfellner, Leiterin der Schule Schloss Salem. Um eine Finanzierung zu gewährleisten, will man auch bei der Stipendienvergabe nachjustieren. „Salem ist ohne Stipendien nicht vorstellbar“, sagt Haberfellner.


Mehr als Konsum und Karriere

Robert Leicht hat sich hehre Ziele gesteckt: „In einer Welt der Slogans wie ‚Anything goes’ oder ‚Geiz ist geil’ wollen wir die Schüler in Salem dazu erziehen, dass es mehr als Konsum und Karriere im Leben gibt“, sagt der Mann, der lange Jahre auch bei der EKD aktiv und bis 2009 Präsident der Evangelischen Akademie in Berlin war. Das Ziel müsse sein, die Schüler zu Weltbürgern zu erziehen. Leicht bezieht sich auf Immanuel Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ und zitiert frei nach dem Urheber des kategorischen Imperativs: „Da die Welt nun einmal rund ist, hat jeder das Recht, sich überall auf ihr aufzuhalten.“ Da setzt auch der neue Aktivposten der Schule Schloss Salem an: Im Rahmen des achtjährigen gymnasialen Bildungsganges wird es zum kommenden Schuljahr erstmals ein freiwilliges, extracurriculares Schuljahr geben: das Salemer Auslandsjahr.


Die Nachfolgerfrage hat in Salem derweil keine hohe Priorität. „Das hat jetzt nicht die höchste Eile“, sagt Robert Leicht. Eva Marie Haberfellner bleibt bis auf Weiteres weiter an der Spitze der Bildungsstätte. Der gesamte Vorstand des Internatsvereins war geschlossen zurückgetreten, nachdem es heftige Kritik an der designierten neuen Schulleiterin Monika Zeyer-Müller gegeben hatte.


Ein Bericht der Schwäbischen Zeitung vom 25.06.2010

Redakteur Daniel Drescher

Im Gespräch: Vorstandsvorsitzender Robert Leicht und Schlossschulleiterin Eva Marie Haberfellner schauen sich gemeinsam die Ausstellung zu den Gründerjahren der Schule Schloss Salem an.

 
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