29.12.09
Spina, magus es! – Altorum Saxorum comoedi fabulam „Puer vere Romanus“ agunt.
Susanna Halagricola, cum Id. Dec. fabulam novam agendam intueretur, horruit: scaena nuda, magister Spina de salute desperans, histrionum turba perturbata: actores enim partes suas non iam edidicerant.
Die Mercurii autem a. d. XVIII Kal.Ian miraculum factum erat: Discipulis, parentibus, magistris sub vesperum in aulam convocatis acta est comoedia de puero audaci. Haud quidem docta – concedendum mihi est – sed nihilominus hilaris:
Iste enim puer „vere Romanus“, nomine Lucius, paternali educandi arte, i.e. verberibus, paulisper purgatus brevi tempore cum scelerum suorum gregalibus Titum quendam, Claudiae sponsum sororis, accurate ludificatur. Quo modo archimimus Lucius sponsalia a matre praeparata prohibens sororem vacerroso marito eripit.
Ut familia filio callido gratias prudentiae reddidit, sic spectantes actoribus, qui partes suas ad unum omnes bene egerant, furibundi favebant. Fabula peracta Susanna Halagricola omnium emotiones uno verbo comprehendit:“Spina, magus es.“
Zum Stück „puer vere Romanus“
Lucius ist ein Schlingel, der gemeinsam mit seinen Freunden nur Unfug im Kopf hat und seiner Schwester Claudia nicht nur ihren Verlobten Titus, einen jungen Offizier, sondern auch den Hauslehrer – Spina – madig macht. In Folge seiner Renitenz und mangelnden Respekts gegenüber seinem Lehrer ordnet der Pater Familias die Züchtigung des unerzogenen Buben an. Durch die verabreichten Rutenschläge erlangt Lucius denn auch eine tiefe Einsicht in sein Fehlverhalten. Soweit die martialische und abrupt endende Vorlage von Otto Blank aus dem Jahre 1967. Komisch irgendwie, aber wenig zeitgemäß und zeitlos unwürdig.
Das fanden auch die Hohenfelser Eleven samt ihrem Magister Spina (Joachim Dorn). Aus dem Unbehagen mit der Vorlage wurde ein kreativer Akt: Kurzerhand erweiterte das Ensemble nicht nur die Schauspielerzahl von 6 auf 12 Rollen, sondern vor allem den Plot um eine burleske Schlussszene: Der geschundene, aber keineswegs geläuterte Lucius spielt dem Freier seiner Schwester in spe gemeinsam mit seinen Spießgesellen übel mit, entlarvt ihn bei einem festlichen Abendessen bei seinen künftigen Schwiegereltern als Tölpel und rettet so die Schwester vor einer unglücklichen Ehe.
Durch diesen Eingriff nimmt das Stück eine befreiende und wirklich witzige Wendung. Selbst die vorher exerzierten Erziehungsmethoden stehen schließlich in einem ironischen, milderen Lichte. Dementsprechend war die Aufführung nicht nur ein Heiterkeitserfolg, man kann geradezu von einem künstlerischeren Befreiungsakt der bestens aufgelegten Schauspielertruppe rund um ihren heißgeliebten Spina sprechen. Bravissimo!
Michael Meister