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30.06.09

Hoch die Hüte für acht Mal 1,0

Examensfeier an der Schule Schloss Salem mit vielen Superlativen.


Besser geht's kaum: Acht Mal eine glatte 1,0, 50 Mal eine 1 vor dem Komma und ein Gesamtdurchschnitt von 2,1. An so gute Leistungen konnte sich bei der Examensfeier der Schule Schloss Salem niemand erinnern. Mit den 108 erfolgreichen Abiturienten feierten auch die 48 Absolventen des Internationalen Baccalaureates, die noch auf ihre Ergebnisse warten.


"Heute ist für mich ein großer Tag der Freude", zeigte sich Schulleiterin Professor Eva Marie Ha­berfellner begeistert von den ausge­zeichneten Leistungen: "Ich hätte mir nie vorstellen können, dass so viele eine 1,0 haben. " Fast 50 Prozent der Abituri­enten hätten zudem eine 1 vor dem Komma. "Ist das möglich?" fragte sie fast ungläubig. Erleichtert zeigte sich Haberfellner mit Blick auf das traditi­onsreiche Internat, das 2010 sein 90-jähriges Bestehen feiert, dass "der Fluss Salem" nach dem Überstehen ei­nes drohenden Unwetters in Gestalt der Verkaufsverhandlungen für das Schloss wieder in einem "gefestigten Bett" flie­ßen könne.

Umso wichtiger ist dies für die Leiterin, als die Schule mit ihren zwei Abschlüs­sen inzwischen mehr und mehr zu ei­nem "Zweistromland" geworden sei. Der Zuwachs an internationalen Schü­lern sei erfreulich, betonte Haberfellner. Inzwischen seien 28 Nationen an der Schule vertreten. Die jüngsten Folgen der "unausweichlichen Globalisierung" ließen viele tradierte "Lebensmuster alt aussehen", erklärte die Schulleiterin und erinnerte an einen Grundsatz des anti­ken Denkens: Die "richtige Mitte" und das "menschliche Maß" nicht aus den Augen zu verlieren.

Zumindest bei den außergewöhnlichen schulischen Leistungen schienen die Abiturienten für Studienleiter Manuel Schiffer "Mitte und Maß verloren" zu haben. An so gute Noten könne er sich nicht erinnern, erklärte Schiffer, und charakterisierte den Jahrgang als "Mi­schung aus Exzellenz und Renitenz". Auf die Idealnote 1,0 kamen dabei Ma­line Meiske, Ran Huo, Sebastian Goldt, Maria Siemens, Kathrin Neumüller, Ti­leman Conring, Bianca Werry und Paolo Nattenmüller. Wobei es Maline Meiske auf 813 von 840 überhaupt möglichen Punkten brachte und Ran Huo 807 Punkte erreichte. Zum Ver­gleich: Einige begnügten sich mit 350 Punkten, um sich das Reifezeugnis zu sichern.

Den Beitrag der Salemer Pädagogen und Erzieher für die ehrgeizigen Ziele ihrer Zöglinge hob Jörg Müller als Ver­treter des Elternbeirats ausdrücklich hervor: "Ich bin fasziniert von der Ein­satzbereitschaft der Lehrer, der Mento­ren und der Leitung. Offensichtlich ha­ben Mitarbeiter der Schule Schloss Sa­lem nie Ferien. " In Zeiten, in denen viel von Work-Life-Balance gesprochen werde, halte er dies nicht für selbstver­ständlich. Die gute Ausbildung der Schüler sei eine große Chance, aber noch keine Garantie, sagte der Eltern­sprecher zu den Absolventen: "Das Ler­nen hört nicht auf, da kann ich euch kei­ne Hoffnung machen."

Mit nachdenklichen Worten verabschie­deten sich die beiden Schulsprecher Da­niel Blaseg und Antonia Reimelt. "Wir wollen Menschen mit Rückgrat sein", gaben sie als Programm aus und ver­suchten zu ehrgeizige Ansprüche zu er­den: "Unser Leben ist nicht vorbei, wenn wir nicht nach Harvard oder Ox­ford kommen."

Auf das Internat und das Engagement für Gemeinschaft, Sport und Dienste lenkten Dagmar Berger und Ken Lander als Leiter des Salem College den Blick. Außergewöhnliche Leistungen im Sport und Verdienste im sozialen Bereich, bei Feuerwehr, THW oder Musikdienst ka­men so ebenfalls zu Ehren. Besonders begehrt die "Großen Auszeichnungen", die an eine ausgewählte, aber nicht klei­ne Gruppe an Absolventen ging. Für be­sonders nachhaltiges Engagement be­wiesen und das Meistern persönliche Herausforderungen bei Expeditionen gab es den "Duke of Edinburgh" ­Award.


Hanspeter Walter

Artikel aus dem Südkurier vom 30.06.2009 als PDF zum Download

 
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