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08.06.09

Einmal Glück, bitte! Die Hohenfelser Burg KiWo

Glückliche Kinder und glücklich-erschöpfte Salemer

 

„Ich wurde noch nie gelobt.“, sagte Nadja (11J.) und stand freudestrahlend vor uns. Wir wussten nicht, ob wir dieser traurigen Realität wegen weinen sollten oder über den Erfolg, dass wir es geschafft hatten, diesem Mädchen Wertschätzung zu vermitteln, freuen sollten.


Eine Woche voller Lob, Anerkennung und Zuneigung war unser Ziel gewesen, als wir (Rosa Reinicke, Katerine Niedinger, Erika Arnold, Max Bohle, Jonas Rosenbrück; mit der Unterstützung von Michael Meister, Dagmar Berger und Uwe Reich) uns daran machten, die Hohenfelser Burg KiWo (Kinderwoche) für Kinder aus sozial schwachen Familien im Alter von 7-11 Jahren, zu planen. Es sollte eine Woche Urlaub für die werden, die sich keinen Urlaub leisten können; direkte und unmittelbare Hilfe hier in der Umgebung war unser Ziel; die Finanzierung ermöglichte die ASV.


Das Experiment gelang. Aus den Kindergesichtern lachte uns vom ersten Tag an eine ungefilterte Glücklichkeit an und ausgelassene Freude lag in der Luft. Neue Erfahrungen waren unsere permanente Begleiter: Für viele Kinder war es das erste Mal, dass sie nicht zuhause schliefen; das erste Mal, dass sie einen geregelten Tagesablauf mit 4 Mahlzeiten  hatten; das erste Mal, dass sie auf eine Wanderung gingen, einen nächtlichen Fackellauf mitmachten, in ein Burgmuseum gingen, Theater spielt und: gelobt wurden und ganz Kind sein konnten.


Doch auch für uns waren es viele neue Erfahrungen: Tag und Nacht einsatzbereit zu sein (teilweise auch mal nicht zu schlafen), wirklich die direkte Verantwortung für Kinder zu tragen, einen ganzen Tag von morgens bis abends (inklusive Duschen; die größte Herausforderung!) durchzuplanen, aber vor allem: Glück schenken zu können. Bewusst wurden uns im Laufe der Woche ganz besonders drei Dinge: Erstens, es gibt viel mehr Elend um uns herum, als wir wissen und uns vorstellen können. Zweitens, Kinder sind formbar; nach einer Woche zu erleben, wie der libanesische Junge, der kein Theater spielen wollte und später nicht genug davon bekommen konnte, seine Tischnachbarn auf den richtigen Gebrauch des Bestecks hinwies, den wir ihm in den vorherigen Tagen mühsam beigebracht hatten, war großartig. Drittens: Wir können helfen und etwas bewegen.


Wie eng die Bindung im Laufe der Woche geworden war, zeigte sich insbesondere, als der Zeitpunkt des Abschieds gekommen war: Es weinten nicht nur die Kinder, sondern auch uns standen die Tränen in den Augen. Zum Einen (neben der kompletten Erschöpfung) aus Ungewissheit, wohin die Kinder zurückkehren würden und was sie dort erwarte, zum Anderen aus Stolz und dem Gefühl etwas Großes geschafft und geschaffen zu haben.

 

Jonas Rosenbrück

 
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